DER SOZIALIST. ORGAN DER UNABHÄNGIGEN SOZIALISTEN. (1891) PROGRAMMTEXT

Unser Zweck

 

 Wir verwerfen alle Kompromisse mit den herrschenden Klassen und jedes Entgegenkommen seitens der Arbeiter. Unterhandlungen mit der Bourgeoisie entsprechen einer proletarisch-revolutionären Bewegung nicht. Darum bleiben wir Gegner der gesetzlich-parlamentarischen Thätigkeit; die Erfahrung hat gelehrt, daß dieselbe unabwendbar zur Korruption und zum Possibilismus führt.

 

Quelle: Der Sozialist, Heft 1, 1.Jg. November 1891.

 

 

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DER SOZIALIST. ORGAN FÜR SOZIALISMUS-ANARCHISMUS. (1895) Redaktion: Gustav Landauer – PROGRAMMTEXT

Gustav Landauer: Anarchismus - Sozialismus

‚Organ für Anarchismus-Sozialismus‘, so steht es an der Spitze unseres Blattes. Der Anarchismus ist vorangestellt als das Ziel, das erreicht werden soll: die Herrschaftslosigkeit, die Staatslosigkeit, das freie Ausleben der einzelnen Individuen. Und dann wird angegeben, durch welches Mittel wir diese Freiheit der Menschen erreichen und sicherstellen wollen: durch den Sozialismus, durch das solidarische Zusammenhalten der Menschen in allem, was ihnen gemeinsam ist, und durch die genossenschaftliche Arbeit.

 

Man könnte einwenden, wenn der Anarchismus unser Ziel, der Sozialismus das Mittel, es zu ermöglichen, sei, so sei das eine ganz verkehrte Welt; denn An-Archie sei etwas Negatives, die Abwesenheit bestimmter Herrschaftseinrichtungen, während der Sozialismus eine positive Gesellschaftsform darstelle; gemeiniglich aber sei das Positive das Ziel, auf das man losgehe, das Negative, die Zertrümmerung der entgegenstehenden Hindernisse, sei der Weg zur Erreichung jenes Positiven.

 

Man vergisst bei diesem Einwand, daß Anarchie nicht allein die leere Freiheit bedeutet, sondern daß unsere Vorstellung vom freien Leben und Wirken mit gar vielem und reichem positiven Gehalt erfüllt ist. Uns soll in der Tat die möglichst zweckmäßige, unter gleichen Bedingungen vor sich gehende Arbeit nur das Mittel sein, unsere reichen natürlichen Kräfte entfalten und weiterentwickeln zu können, auf unsere Mitmenschen, die Natur und die Kultur einzuwirken und den gesellschaftlichen Reichtum nach Kräften zu genießen.

 

Diese wenigen Worte schon sagen jedem, der nicht von den Parteidogmen befangen gemacht worden ist, daß Anarchismus und Sozialismus nicht im geringsten Gegensätze sind, sondern vielmehr sich gegenseitig bedingen. Wahre genossenschaftliche Arbeit, wahre Gemeinsamkeit kann es nur in der Freiheit geben; und Freiheit der Personen hinwiederum ist nicht möglich, wenn nicht die Lebensbedürfnisse durch brüderliches Zusammenhalten hergestellt werden. Trotzdem ist es immer und immer wieder notwendig, sich der unwahren Behauptungen der Sozialdemokratie zu erwehren, Sozialismus und Anarchismus ständen sich feindlich gegenüber »wie Feuer und Wasser«. (mehr …)

DER ARME TEUFEL. (1902) Redaktion: Albert Weidner – PROGRAMMTEXT

Des armen Teufels Woher und Wohin

 

Ein offener Briefwechsel zwischen Felix Hollaender und dem Herausgeber

 An Blättern ist kein Mangel; es soll sogar gute darunter geben. Jedenfalls findet so ziemlich jeder, der sich zu einer langweiligen Viertelstunde auf seine soziale, politische oder litterarische ‚Tendenz‘ besinnt, an der nächsten Straßenecke – oder doch, wenn sein Fall ein schwieriger ist, in Postzeitungsliste sein Leiborgan. Wer’s bisher nicht fand, dem sei der arme Teufel empfohlen. Vielleicht finden sich beide als Gleichgesinnte. Wer zu lesen versteht, mag überdies des Armen Teufels Absichten leicht aus folgendem offenen Briefwechsel erkunden:

 Lieber Albert Weidner,

 durch Dich wissen ein paar Hundert Deutsche, daß einmal ein Mann gelebt hat, der aufrecht und kampffreudig für das, was er unter Freiheit begriff, bis zum letzten Atemzug seine Kraft eingesetzt hat.*)

 Er war ein armer Teufel, der sich mit der Sorge redlich herumgeschlagen und trotz seiner Wurzelhaftigkeit und seines tiefen Heimatgefühls nach Amerika auswandern mußte. Hier wurde er seßhaft und gründete ein Blatt, das er den armen Teufel nannte.

 Dieser Mann hieß Robert Reitzel, wurde am 27. Januar 1849 geboren und starb 30. März 1898. Wie der arme Heinrich hat auch er alle Leiden der Matratzengruft durchkostet und gegen das Schicksal sich gewehrt, das ihn im kernigsten Mannesalter niederrang. Es war von einer Sprachgewalt, die etwas Lutherisches hatte, und von einer wundervollen Kühnheit, die nur aus einem reinen Herzen fließen kann. Er war ein Journalist von altem germanischen Schlage. Das heißt: er war ein Dichter. (mehr …)

VERSÖHNUNG. Monatsschrift. M.von Egidy. (1896) PROGRAMMTEXT

V e r s ö h n u n g heißt nicht Uebertünchung der Gebrechen unserer Zeit; nicht Verschleierung der Mißstände, die unser heutiges System zeitigt; nicht Vertuschung der Verfehlungen Einzelner; nicht Beschönigung der Unthaten Gewaltiger; nicht erklügelte Ueberbrückung von Gegensätzen, nicht ein unnatürlicher Ausgleich nothwendiger Verschiedenheiten; nicht, nirgends, auf keinem Gebiet und bei keiner Gelegenheit ein Pakt mit dem Unvollkommneren, sobald eine vollkommnere Erkenntniß uns beherrscht; kein Friede mit dem Uebel; keine Nachgiebigkeit (Konzession) gegenüber der Halbheit, der Unduldsamkeit, der Herrschsucht, der Regierwuth, dem Führerdünkel. Der Ungesittung, dem Vorurtheil; kein Zugeständnis gegenüber der Tyrannei eines Dogmas, auf welchem Gebiet immer es sein Entwicklung feindliches Unwesen zur Geltung bringen will: Konfession, Moral, Gesundheitslehre, Volkswirtschaft, Wissenschaft, Kunst. (mehr …)

ERNSTES WOLLEN. M.von Egidy (1899) PROGRAMMTEXT

Einführungswort.

Unser „ernstes Wollen“ gilt einem hohen Ziele. Es ist darauf gerichtet, das Erbe M. von Egidys rein zu erhalten. Wir erheben nicht den Anspruch, dieses Erbe allein zu verwalten, aber wir werden Sorge tragen, daß Egidys Wollen und Wirken nach keiner Richtung hin entstellt, daß es von keiner einseitigen Bestrebung mit Beschlag belegt wird. Nicht diese oder jene Seite der Persönlichkeit oder des Wirkens unseres heimgegangenen Führers soll besonders betont werden, den ganzen Egidy wollen wir vor Augen stellen. (mehr …)

DER ARME KONRAD (1896) Redaktion: Albert Weidner – PROGRAMMTEXT

WAS WILL DER ARME KONRAD?

 

Als nun vor beinah vierhundert Jahren der Uebermut des Adels, der Besitzenden und Herrschenden dermaßen ins Ungeheure gewachsen war, daß der gemeine Mann, das schutz- und rechtlose Opfer ihrer unersättlichen Raubgier, über seine Lage nachzudenken und an der Notwendigkeit der – wie man ihm sagte – von Gott geordneten Zustände zu zweifeln begann, da erstand, einem kleinen, unscheinbaren Keim entwachsend, der „arme Konrad“,  jener gewaltige, so gehaßte und gefürchtete Bund der Unterdrückten, der unter der Maske losen Scherzes und harmlosen Spiels ein bitter-ernstes und erhabenes Ziel anstrebte.

Jahrhunderte sind seitdem verflossen.

Was den Anhängern jenes armen Konrad dunkel und von religiöser Schwärmerei und damaligen Anschauungen beeinflußt, als Ziel vorschwebte, eine in Freiheit und Glück lebende Menschheit, das ist auch dasjenige, dem dieses Blatt, „Der arme Konrad“, die Wege ebnen will, indem es ihm in den Köpfen der arbeitenden und doch besitzlosen Bevölkerung Eingang verschafft. (mehr …)